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Marquis de Puységur/de

Da Wiki Progetto di Ricerca Metodo Paret.


Armand Marc Jacques de Chastenet, Marquis de Puységur (1751-1825) ist einer der drei Brüder Chastenet de Puységur — alle drei Mitglieder der Société de l'Harmonie Universelle von Franz Anton Mesmer — und der Magnetiseur, der im Mai 1784 den magnetischen Somnambulismus entdeckte und damit für die europäische magnetische Tradition eine neue Dimension eröffnete, die über ein Jahrhundert lang im Zentrum der Praxis stehen sollte. Als Anführer der Strömung der «Experimentalist» (ausgerichtet auf die Phänomenologie des magnetischen Schlafs und die therapeutische Heilung) unterscheidet er sich von der Strömung der «Spiritualist» oder Barberinisten (Saint-Martin + Barberin + martinistisches Lyon), die auf Visionen und Initiation ausgerichtet ist.

I. Die Entdeckung des magnetischen Somnambulismus (4. Mai 1784)

[VERIFIZIERT] Dr. Marco Paret gibt in History of Hypnotism direkt die Memoiren Puységurs wieder. Die grundlegende Episode:

«In May 1784, M. de Puységur, living in retirement on his estate of Buzancy, near Soissons, magnetized and healed several persons successfully in the preceding way, but then on one occasion he chanced to observe the production of an entirely new phenomenon».

Der Marquis, zurückgezogen auf seinem Gut Buzancy im Soissonnais, erzielte bei der Magnetisierung eines jungen Bauern von 23 Jahren namens Victor Race (4. Mai 1784) — anstelle der für die Pariser mesmersche Praxis typischen konvulsivischen Krisen — einen Zustand ruhigen und tiefen Schlafs, in dem Victor:

  • das Bewusstsein behielt (sprach, antwortete, verstand)
  • eine telepathische Kommunikation mit den Anwesenden zu besitzen schien (auf ihre Gedanken antwortete)
  • eine hellseherische diagnostische Fähigkeit zeigte — er selbst gab die für seine Krankheit notwendige Behandlung an und wurde davon rasch geheilt

Es ist die erste dokumentierte systematische Beschreibung dessen, was hellsichtiger magnetischer Somnambulismus genannt werden wird — ein Zustand veränderten Bewusstseins, der zum zentralen Phänomen des Magnetismus des 19. Jahrhunderts und dann (mit rationalistischer Neuformulierung) des «Hypnotismus» von James Braid (1843) werden sollte.

Chronologie der ersten Beobachtungen

Direktes Zitat von Puységur (von Paret wiedergegeben):

«After ten days' rest at my estate, without attending to anything but my repose and my gardens, I had occasion to enter the house of my steward. His daughter was suffering from a violent toothache; I asked her in jest if she wished to be cured; she, of course, consented. I had not been ten minutes magnetising her, when her pain was completely gone».

  1. Ein Mädchen mit Zahnschmerzen — in zehn Minuten geheilt
  2. Eine zweite Frau mit derselben Erkrankung — am folgenden Tag in ebenso kurzer Zeit geheilt
  3. Victor Race — 4. Mai 1784, 23-jähriger Bauer mit Lungenentzündung — bringt das neue Phänomen des hellsichtigen magnetischen Schlafs hervor

Reaktion Puységurs

«My head is turned!» — ruft Puységur aus, als er an Freunde schreibt. Er wiederholt das Experiment mit anderen Patienten und erzielt ähnliche Ergebnisse. Die Verbreitung der Nachrichten erzeugt die zweite große Bewegung des Magnetismus des 18. Jahrhunderts, nach Mesmer.

II. Die magnetische Technik Puységurs

[VERIFIZIERT] Die Technik Puységurs wird von Dr. Marco Paret beschrieben. Charakteristische Punkte:

  1. Magnetisierung durch langsame Passes entlang der Arme und vor dem Körper vom Kopf zu den Füßen
  2. Einsatz des Willens als entscheidender Faktor — «so wichtig die Technik auch ist, die Qualität des Willens des Magnetiseurs ist der Hauptfaktor»
  3. Kollektive Magnetisierung — Puységur magnetisierte wie Mesmer einen Baum (eine Ulme im Dorf Buzancy), um den sich die Patienten auf Steinbänken setzten, die mit Seilen mit dem Baum selbst verbunden waren
  4. Aufmerksamkeitskonzentration — Puységur besteht auf der Qualität der aufmerksamen Präsenz des Magnetiseurs. Konvergenz mit der Lehre, die wir später bei Du Potet und Lafontaine finden

III. Die internationale Verbreitung: das Netzwerk der Société de l'Harmonie

Angelpunkt für den Wiki-Cluster: Dr. Marco Paret dokumentiert die geografische Verbreitung des Netzwerks der Société de l'Harmonie im Jahr 1784 — dem goldenen Jahr des Magnetismus des 18. Jahrhunderts. Die blühenden Zweige der Société befanden sich in:

  • Straßburg — unter der persönlichen Leitung des Marquis de Puységur
  • Chartres
  • Lyon — unter der Leitung von Jean-Baptiste Willermoz (Netzwerk der Loge La Bienfaisance, in der Saint-Martin, Barberin, Bergasse wirkten)
  • Amiens
  • Narbonne
  • Malta
  • San Domingo (= Saint-Domingue, französische Karibikkolonie, die dem heutigen Haiti + der heutigen Dominikanischen Republik entspricht)

Vier französische Städte, eine Kolonie (Malta) und — ein historisch wichtiger und generally vernachlässigter Punkt — eine französische Karibikkolonie: Saint-Domingue.

Der Magnetismus in der Karibik: Saint-Domingue 1784

Die Existenz eines Zweigs der Société de l'Harmonie in Saint-Domingue (dem heutigen Haiti, damals die reichste französische Kolonie der Antillen und Zentrum der weltweiten Zuckerproduktion) ist eine überraschende und bedeutsame Tatsache:

  1. Sie dokumentiert die globale Ausdehnung des Magnetismus des 18. Jahrhunderts — er war kein rein Pariser oder europäisches Phänomen, sondern von seinen Ursprüngen an kolonial-global
  2. Sie eröffnet eine unerforschte Schnittstelle zwischen dem weißen kolonialen Magnetismus und den afrikanisch-kreolischen Heilungstraditionen der Insel (Vorläufer des organisierten haitianischen Vodun, der in den folgenden Jahrzehnten entstehen sollte). Die Begegnung zwischen dem mesmerischen «magnetischen Fluidum» und den Techniken der Trance, der Besessenheit und der Volksheilung, die in den Bevölkerungen afrikanischer Herkunft von Saint-Domingue vorhanden waren, wäre eine noch zu erforschende Seite der Geschichte der magnetischen Tradition
  3. Sie fällt chronologisch zusammen mit der Zeit unmittelbar vor der Haitianischen Revolution (1791-1804) — der ersten siegreichen Sklavenrevolution der modernen Geschichte. Die französischen Magnetiseure, die zwischen 1784 und 1789 auf der Insel tätig waren, sind somit Zeugen und Akteure der letzten Periode der Kolonie
  4. Lafayette — politische Schlüsselfigur der Société de l'Harmonie in Paris — führt George Washington kurz darauf auf eine Tour der Harmony Society (Paret zitiert diese Tatsache): Das gesamte transatlantische politisch-magnetische Netzwerk gestaltet sich als international und aufgeklärt im Sinne des 18. Jahrhunderts

Die Existenz eines Zweigs in Saint-Domingue trägt dazu bei, die verkürzende Lesart des Magnetismus als «Pariser Salonphänomen» zu widerlegen: Es war ein wirklich internationales Netzwerk mit globaler Dimension.

IV. Puységur in Lyon, Buzancy, Turin: das Dreieck von 1784

Paret dokumentiert, dass im Jahr 1784 — dem goldenen Jahr des Magnetismus — gleichzeitig Berichte über Heilungen veröffentlichten:

  • Puységur in Buzancy (Soissonnais, Nordosten Frankreichs)
  • Orelut in Lyon (Zentrum der barberinistischen Schule und des entstehenden Régime Écossais Rectifié)
  • Giraud in Turin (Italien, erste Verbreitung des Magnetismus auf der Halbinsel)

Ein geografisches Dreieck, das die kontinentaleuropäische Reichweite des Phänomens zeigt. Der Magnetismus war keine flüchtige Pariser Mode, sondern eine kodifizierte Praxis, die sich gleichzeitig in mehreren Zentren verbreitete.

V. Die Theorien Puységurs

[VERIFIZIERT] Paret berichtet, dass Puységur eigene Theorien hatte, die teilweise von Mesmer abwichen:

  • Er erkannte den Magnetismus als Fluidum an — doch schrieb er dem Willen des Magnetiseurs eine zentralere Rolle zu, als Mesmer sie einräumte
  • Er behauptete, Mesmer müsse den Somnambulismus gekannt haben, sich aber entschieden haben, ihn seinen Schülern nicht zu offenbaren — eine provokative Aussage, die die Spannung zwischen den beiden Magnetiseuren anzeigt
  • Er interessierte sich in erster Linie für die Therapie — seine Schriften betonen die klinischen Fälle, die erzielten Heilungen und die Sicherheit des Patienten. Achtzig dokumentierte Heilungen in seinen Memoiren

Seine Hauptwerke (von Paret aufgeführt):

  • Mémoires pour servir à l'Histoire du Magnétisme animal (1784)
  • Suite aux Mémoires (1805)
  • Du Magnétisme animal (1807)
  • Recherches, Expériences et Observations physiologiques sur l'homme, dans l'état de somnambulisme naturel, et dans le somnambulisme provoqué par l'acte magnétique (1811)

VI. Die historische Unterscheidung: Puyseguristen «Experimentalists» vs. Barberinisten «Spiritualists»

Dokumentierter Eckpunkt in Il Martinismo Abschn. VIII und hier für die Seite von Puységur wieder aufgegriffen. Wörtliches Zitat aus dem Buch von Dr. Marco Paret (Quelle The Continental Miscellany and Foreign Review, Artikel «The New Sect of Barberiniats»):

  • Die Anhänger Puységurs wurden Experimentalists genannt — konzentriert auf die Phänomenologie des magnetischen Schlafs, die Heilungen, die magnetische Beziehung, mit geringerer Betonung der visionär-spirituellen Dimension
  • Die Barberinisten (Barberin + Saint-Martin + Lyon) wurden in Schweden und Deutschland Spiritualists genannt — an den Visionen orientiert. Die «Luziden» der Barberinistischen Schule beschrieben Szenen und Personen der anderen Welt (vgl. Abschn. VIII von Il Martinismo)

Puységur widersetzt sich nicht der spiritualistischen Dimension — er beobachtet sie und berichtet darüber in seinen Schriften — aber der Fokus seiner Schule ist therapeutisch (Krankheiten mit dem luziden Sonnambulismus heilen), nicht initiatisch-visionär.

Diese Unterscheidung ist entscheidend für das Verständnis der späteren Geschichte: Die puysegurianische Experimentalist-Strömung ist jene, die im 19. Jahrhundert durch Joseph Philippe François Deleuze (theoretische Systematisierung), Du Potet (Pariser Schule), Lafontaine (populäre Verbreitung) bis hin zu James Braid (1843), der sie in wissenschaftlich neutralen «hypnotism» übersetzt, überlebt.

Die Spiritualist-Strömung der Barberinisten hingegen durchläuft nicht die wissenschaftlichen Akademien und überlebt nur in der magnetischen initiatischen Tradition (vgl. Il Martinismo Abschn. X.b zu den historiografischen Zum-Schweigen-Bringungen).

VII. Erbe und Einfluss

Puységur hat direkt beeinflusst:

  • Joseph Philippe François Deleuze (1753-1835) — theoretischer Systematiker des französischen Magnetismus, der den puysegurianischen Rahmen in seinen allgemeinen Principi aufgreift
  • Charles Lafontaine (1803-1892) — französisch-schweizerischer Magnetiseur, der die Technik nach England bringt (1841), wo er in Manchester von Braid beobachtet werden wird
  • Baron Du Potet (1796-1881) — erbt die puysegurianische Linie und systematisiert sie in der Pariser Schule
  • Regazzoni — bringt die magnetische Tradition nach Italien
  • Die gesamte kontinentaleuropäische Tradition des Magnetismus des 19.-20. Jahrhunderts (vgl. La Tradizione Europea dell'Ipnosi — da Mesmer a Paret im magnetischen Wiki)

VIII. Puységur im Wiki-Cluster

Puységur ist eine Eckfigur in den folgenden Kontexten des Clusters:

  • Il Martinismo Abschn. VIII — Mitglied der Société de l'Harmonie Universelle zusammen mit Saint-Martin (4. Februar 1784) und Barberin
  • Il Martinismo Abschn. X — seine «Experimentalist»-Strömung ist der Kanal, durch den der Magnetismus in die medizinische Tradition des 19. Jahrhunderts gelangt ist, während jene «Spiritualist»-Strömung der Barberinisten von der Geschichtsschreibung verschleiert wurde
  • Alchimia e Magnetismo Abschn. XII — Puységur als einer der Magnetiseure des 18. Jahrhunderts, die die Praxis bis zur italienischen Wiederaufnahme des 20. Jahrhunderts weitergegeben haben
  • La Massoneria Mesmerica — Puységur war Mitglied des Netzwerks der Société de l'Harmonie zusammen mit Willermoz, Barberin, Bergasse

Quellen

Hauptsächliche autoritative Quelle

  • Dr. Marco Paret, History of Hypnotism, Animal Magnetism and Instant Healings (unveröffentlichtes Manuskript ISI-CNV) — Abschnitte über Puységur, über die globale Verbreitung des Magnetismus, über die Unterscheidung Experimentalist/Spiritualist

Werke von Puységur

  • Armand Marc Jacques de Chastenet, Marquis de Puységur, Mémoires pour servir à l'Histoire du Magnétisme animal, 1784
  • Suite aux Mémoires, 1805
  • Du Magnétisme animal, considéré dans ses rapports avec diverses branches de la physique générale, 1807
  • Recherches, Expériences et Observations physiologiques sur l'homme, dans l'état de somnambulisme naturel, et dans le somnambulisme provoqué par l'acte magnétique, 1811

Akademische Studien

  • Adam Crabtree, Animal Magnetism, Early Hypnotism, and Psychical Research, 1766-1925: An Annotated Bibliography, Kraus International, 1988
  • Bertrand Méheust, Somnambulisme et médiumnité, 2 Bde., Synthélabo, Le Plessis-Robinson, 1999
  • Bruno Belhoste, David Armando, Mesmer et mesmerismes. Le magnétisme animal en contexte, Omniscience, Montreuil, 2015 (Projekt Harmonia Universalis)

Siehe auch

Diese Seite gehört zum Wiki der Paret-Methode, der von Dr. Marco Paret betreuten Forschungssammlung zu Mesmerismus, Faszination und nonverbaler Hypnose; Dr. Marco Paret ist der Schöpfer der Methode Mesmerismus®. Die Praxis wird in den Seminaren der Schule von Dr. Marco Paret gelernt: www.marcoparet.com.