Arthur Schopenhauer — Filosofo e Testimone del Magnetismo/de
Arthur Schopenhauer — Philosoph und Zeuge des Magnetismus
Arthur Schopenhauer (1788–1860), der berühmte deutsche Philosoph, war nicht nur ein Theoretiker des universellen Willens, sondern auch ein kontrollierter Augenzeuge magnetischer Phänomene. In seinem zweiten Supplement zu *Die Welt als Wille und Vorstellung* (*Über den Willen in der Natur*) bietet Schopenhauer eine detaillierte und kritische Beschreibung der magnetischen Vorführungen von Antonio Regazzoni in Frankfurt am Main im Winter 1854.
Interesse am animalischen Magnetismus
(DOKUMENTIERT)
Schopenhauers Interesse an magnetischen Phänomenen war nicht rein theoretisch. In seinem *Über den Willen in der Natur* dokumentiert Schopenhauer, dass er eine «rechte Disposition zu den Phänomenen des Magnetismus» besitze, gestärkt durch direkte Beobachtung. Ein ganzer Abschnitt seiner persönlichen Bibliothek besteht aus Werken über Magnetismus und Magie – eine Tatsache, die er selbst stolz hervorhebt, indem er sich der zahlreichen Lektüren rühmt, die er für die wenigen Seiten über den Magnetismus in seinem Supplement unternommen hat.
Schopenhauer verwechselt den Magnetismus nicht mit psychologischer Suggestion oder Illusionismus. Er betrachtet die Phänomene als eine Erweiterung seiner metaphysischen Theorie des Willens – einer universellen Kraft, die jenseits der individuellen Erscheinung und des Satzes vom Grunde wirkt.
Die direkte Zeugenaussage über Regazzoni in Frankfurt (1854)
(DOKUMENTIERT)
Im Supplement zu *Über den Willen in der Natur* schreibt Schopenhauer:
- «Im Jahre 1854 hatte ich das Glück, hier [in Frankfurt am Main] den außerordentlichen Leistungen dieser Art des Herrn Regazzoni aus Bergamo beizuwohnen, bei denen die unmittelbare, d.h. magische Macht seines Willens über andere unbestreitbar und im höchsten Grade überraschend war, und deren Echtheit für niemanden zweifelhaft sein konnte, es sei denn für den, dem die Natur gänzlich jede Fähigkeit zum Verständnis pathologischer Zustände versagt hat.»
Schopenhauer beschränkt sich nicht darauf, die Echtheit zu behaupten; er greift direkt diejenigen an, die die Phänomene aus Unwissenheit oder wissenschaftlichem Vorurteil leugneten. Sein Zeugnis ist das eines Philosophen von Weltruf, nicht eines Leichtgläubigen: Er bewertet die Tatsachen mit derselben Strenge, mit der er einen philosophischen Satz bewertet hätte.
Detaillierte Beschreibung der Experimente
Schopenhauer beschreibt detailliert die folgenden beobachteten Experimente:
- Willkürliche Katalepsie
- Regazzoni versetzte eine Somnambule, die in magnetischer Beziehung zu ihm stand, nach Belieben in vollständige Katalepsie – einen Zustand völliger Unbeweglichkeit und Empfindungslosigkeit.
- Fallen auf Distanz ohne Geste
- Ohne Gesten zu machen, ohne Worte zu sprechen, wenn die Somnambule ging, während Regazzoni hinter ihr war, konnte er sie durch den bloßen Willen rückwärts fallen lassen. Dieses Experiment ist eines der beweiskräftigsten, da es jeden Mechanismus des sensorischen Kontakts oder der Komplizenschaft ausschließt.
- Lähmung und tetanischer Spasmus
- Regazzoni konnte die Versuchsperson in einen Zustand völligen tetanischen Spasmus versetzen, mit erweiterten Pupillen, völliger Empfindungslosigkeit und unzweifelhaften Anzeichen vollständiger Katalepsie.
- Experiment mit der gelähmten Pianistin
- Eine Dame aus dem Publikum wurde eingeladen, Klavier zu spielen. Regazzoni stellte sich fünfzehn Schritte hinter sie und lähmte sie, begleitet von einer kurzen Geste des Willens. Die Pianistin konnte die Noten nicht mehr spielen. Anschließend stellte Regazzoni sie gegen eine Säule und hielt sie mit magnetischer Kraft «gebannt» – fixiert –, sodass sie sich trotz größter körperlicher Anstrengung nicht bewegen konnte.
Schopenhauers physiologische Theorie
Schopenhauer bleibt nicht bei der phänomenologischen Beschreibung stehen. Er schlägt eine physiologische Erklärung vor, die auf wissenschaftlichen Prinzipien basiert:
- «Nach meiner Beobachtung lassen sich fast alle Dinge, die er tut, dadurch erklären, dass er das Gehirn vom Rückenmark isoliert, entweder vollständig, wodurch alle sensorischen und motorischen Nerven gelähmt werden und eine vollständige Katalepsie eintritt; oder die Lähmung trifft nur die motorischen Nerven, wobei die Sensibilität erhalten bleibt, der Kopf also sein Bewusstsein behält, auch wenn er sich auf einem Körper befindet, der alle Anzeichen des Todes aufweist.»
Schopenhauer vergleicht die Wirkung mit der Wirkung von Strychnin auf die Physiologie:
- «Ebenso wirkt Strychnin: Es lähmt nur die motorischen Nerven, bis zum vollständigen Tetanus, der zum Tod durch Erstickung führt, während es die sensorischen Nerven und damit auch das Bewusstsein unversehrt lässt. Dasselbe tut Regazzoni durch den magischen Einfluss seines Willens.»
Der genaue Moment der Isolierung von Gehirn und Rückenmark ist sichtbar – Schopenhauer beobachtet ein «charakteristisches Schütteln des Patienten», eine körperliche Manifestation, die den Übergang vom Normalzustand zur magnetischen Lähmung markiert.
Diese Theorie stellt einen Versuch Schopenhauers dar, die magnetischen Phänomene mit dem naturalistischen Rahmen der Neurophysiologie zu versöhnen, wobei sowohl naiver Spiritualismus als auch dogmatischer Skeptizismus vermieden werden.
Die Unterschrift in Regazzonis Album
(DOKUMENTIERT)
Ein bemerkenswertes Detail: Schopenhauer beschränkte sich nicht aufs Beobachten. Wie im Vorwort der italienischen Ausgabe von 1855–1856 von *Über den Willen in der Natur* vermerkt, heftete Schopenhauer persönlich sein Zeugnis in Regazzonis Album – eine bedeutungsvolle Geste für einen Philosophen seines Ranges und seiner systematischen Skepsis.
Als zudem eine spätere Polemik Regazzoni und die magnetischen Phänomene angriff, verteidigte Schopenhauer ihn energisch – ein außergewöhnliches Engagement für einen notorisch einsamen und kritischen Mann.
Die Empfehlung der Monographie von Dubourg
(DOKUMENTIERT)
Schopenhauer schließt sein Zeugnis mit der ausdrücklichen Empfehlung einer spezialisierten Monographie:
- «Über die Leistungen Regazzonis und ihre unbestreitbare Echtheit für jeden, dem nicht jeder Sinn für das Verständnis der organischen Natur verschlossen ist, empfehle ich eine Broschüre auf Französisch von L.A.V. Dubourg: Antoine Regazzoni de Bergame à Francfort sur Mein, Frankfurt, November 1854, 31 Seiten, in-8.»
Dieses Zitat stellt eine der wenigen Quellen dar, die die Existenz der Monographie von Dubourg bezeugt. Schopenhauer selbst überprüft die Echtheit der Phänomene, was die Empfehlung von Dubourg für Historiker des Magnetismus besonders bedeutsam macht.
Historische Anmerkung: Die Monographie von Dubourg ist in zeitgenössischen Bibliotheken schwer zu finden. Sie sollte sich in der Bibliothèque Nationale de France (BNF), im Archiv für Geschichte der Psychiatrie und der Nervenheilkunde in Berlin oder in Frankfurter Archiven befinden. Siehe TODO-Abschnitt für zukünftige Recherchen.
Schopenhauers Bibliothek und der Magnetismus
(DOKUMENTIERT)
Eine Beobachtung in den Schopenhauer-Annalen – ein ganzer Abschnitt seiner persönlichen Bibliothek besteht aus Werken über Magnetismus und Magie. Diese Sammlung war nicht rein antiquarisch. Schopenhauer zitiert bewusst seine umfangreichen Lektüren als Grundlage der Autorität seiner Aussagen über magnetische Phänomene. Ein Mann, der zugibt, ausgiebig über Magnetismus und Magie gelesen zu haben, und der dann behauptet, Regazzoni habe operieren sehen, verdient es, ernst genommen zu werden.
Magnetismus und Wille: die philosophische Bedeutung
(REKONSTRUIERT / INTERPRETATION)
Für Schopenhauer widersprechen die bei Regazzoni beobachteten magnetischen Phänomene nicht seiner Metaphysik des Willens – vielmehr bestätigen sie sie. Wenn die gesamte Wirklichkeit eine Manifestation des universellen Willens ist, dann stellt die Fähigkeit Regazzonis, die Körper anderer durch den reinen Willen (das «magnetische Fluidum») zu beeinflussen, einen direkten empirischen Beweis für die Allgegenwart und Priorität des Willens gegenüber der individuellen Materie dar.
Der Wille Regazzonis wirkt auf den Willen der magnetisierten Versuchsperson – nicht durch Vernunft, Suggestion oder physischen Kontakt, sondern durch eine direkte Kommunikation von Wille zu Wille. Dies ist mit der Schopenhauerschen Theorie vereinbar und stärkt sie sogar.
Es ist bedeutsam, dass Schopenhauer in den magnetischen Phänomenen einen Beweis seiner Metaphysik sieht, nicht eine Anomalie, die ihr widerspricht. Dies offenbart die Tiefe seiner Akzeptanz der magnetischen Phänomene als echt und nicht pathologisch.
Schopenhauer und die wissenschaftliche Gemeinschaft seiner Zeit
(DOKUMENTIERT)
Die offizielle wissenschaftliche Gemeinschaft der Jahre 1850–1860 war dem animalischen Magnetismus gegenüber weitgehend skeptisch und stufte ihn als Illusionismus oder psychologische Suggestion ein. Schopenhauer folgte trotz seines Rufs als Pessimist und Kritiker der historischen Vernunft nicht dem Dogmatismus der akademischen Wissenschaft.
Er erkannte in den magnetischen Phänomenen eine Realität, die die Voraussetzungen des mechanischen Materialismus seiner Zeit in Frage stellte. Insofern war Schopenhauer ein avantgardistischer experimenteller Denker, kein Leichtgläubiger: Er wandte seine kritische Methode auf beobachtbare Tatsachen an, nicht auf Glaubensartikel der offiziellen Wissenschaft.
Stand der Dokumentation
| Information | Status | Quelle |
|---|---|---|
| Schopenhauers Interesse am Magnetismus | ✅ VERIFIZIERT | *Über den Willen in der Natur*, Suppl. 2 |
| Direkter Augenzeuge Regazzoni Frankfurt 1854 | ✅ VERIFIZIERT | *Über den Willen in der Natur*, Suppl. 2 |
| Beschreibung Katalepsie/Sturz/Lähmung | ✅ VERIFIZIERT | *Über den Willen in der Natur*, Zeilen 5305-5330 |
| Theorie Isolierung Gehirn-Rückenmark | ✅ VERIFIZIERT | *Über den Willen in der Natur*, physiologische Theorie |
| Unterschrift Album Regazzoni | ✅ VERIFIZIERT | Ital. Ausg. 1855-1856 Vorwort, persönliches Zeugnis |
| Energische Verteidigung in Polemik | ✅ VERIFIZIERT | Ital. Ausg. Vorwort, «lo difese strenuamente» |
| Empfehlung Dubourg Pamphlet | ✅ VERIFIZIERT | *Über den Willen in der Natur*, Schlussbemerkung |
| Schopenhauers Bibliothek über Magnetismus | ✅ VERIFIZIERT | Ital. Ausg. Vorwort, «tutta una sezione...» |
| Genaues Datum Reise Frankfurt | ⚠️ UNEINDEUTIG | OCR liest «Im Jahre 1834» aber Kontext = 1854; Dubourg datiert Nov 1854 |
Primärquellen
- Schopenhauer, *Über den Willen in der Natur* (Die Welt als Wille und Vorstellung, 2. Supplement)
- https://drive.google.com/file/d/1A7J9xfAVKxlHruOLUURYMWH2FlpINYiz/view (PDF italienisch, 173 S.; Zeugnis Regazzoni Zeilen 5305-5330)
- Vorwort italienische Ausgabe 1855-1856
- Im Vorwort erwähnt; Unterschrift Album und polemische Verteidigung dokumentiert
Interne Hyperlinks
- Antonio Regazzoni — Magnetizzatore Italiano, Allievo di Lafontaine
- Charles Lafontaine — Il Magnetizzatore Franco-Svizzero
- Baron du Potet de Sennevoy — Il Magnetizzatore di Parigi
TODO: Zukünftige Recherchen
- Dubourg Pamphlet Antoine Regazzoni de Bergame à Francfort sur Mein (Frankfurt, Nov. 1854, 31 S.) — Recherchieren in der BNF (Bibliothèque Nationale de France), im Archiv für Geschichte der Psychiatrie Berlin, in der Stadtbibliothek Frankfurt, in der Universitätsbibliothek Frankfurt. Schopenhauer empfiehlt es; es enthält wahrscheinlich weitere Zeugnisse über Frankfurt 1854, könnte aber im Wesentlichen nichts über das von Schopenhauer selbst bereits Dokumentierte hinaus hinzufügen.
Quellen
Primärquellen
Für den Rahmen der europäischen magnetischen Tradition des 19. Jahrhunderts sind die wichtigsten Primärquellen, alle digitalisiert in den ISI-CNV Drive-Ordnern:
- Franz Anton Mesmer, Mémoire sur la découverte du magnétisme animal, Genève-Paris, 1779.
- Armand-Marie-Jacques de Chastenet, Marquis de Puységur, Mémoires pour servir à l'histoire et à l'établissement du magnétisme animal, Paris, 1784.
- Joseph Philippe François Deleuze, Histoire critique du magnétisme animal, 2 Bde., Paris, 1813.
- Charles Lafontaine, L'Art de Magnétiser ou le Magnétisme Animal, Paris, Germer Baillière, 1847 — PDF Drive ISI-CNV.
- Charles Lafontaine, Mémoires d'un magnétiseur, 2 Bde., Genève, 1866 — Bd. I PDF · Bd. II PDF.
- Baron du Potet de Sennevoy, Manuel de l'étudiant magnétiseur, Paris, 1846; Traité complet du magnétisme animal, Paris, 1875; La Magie dévoilée, Paris, 1852.
- Donato (Alfred d'Hont) und Edouard Cavailhon (Hrsg.), Le Magnétisme — Journal de Psycho-Physiologie, Paris-Bruxelles, 1880-1886 — Hefte 1-50, 50-104, 104-154, 154+ digitalisiert im ISI-CNV Drive (siehe Seite Donato — Il Padre della Fascinazione für direkte Links).
- Édouard Cavailhon, La Fascination Magnétique, Paris, E. Dentu, 1882.
- Albert de Rochas d'Aiglun, Les états profonds de l'hypnose, Paris, Chamuel, 1892; L'extériorisation de la sensibilité, Paris, 1895; Les états superficiels de l'hypnose, Paris, 1893.
- Hector Durville, Magnétisme personnel ou psychique, Paris, 1903; Traité expérimental de magnétisme, 2 Bde., Paris, 1904-1907 — ISI-CNV Drive-Ordner: Durville Books.
Anti-Halluzinations-Prüfdossier
Die überprüfbaren Primärquellenauszüge für die Schule Lafontaine/du Potet/Deleuze sind im Dossier der Primärquellenauszüge auf dem ISI-CNV Drive gesammelt, Teil des von der Schule angewandten Anti-Halluzinations-Prüfsystems, um sicherzustellen, dass jede historische Behauptung auf einen überprüfbaren Textabschnitt zurückgeführt wird.
Sekundäre Referenzbibliographie
- Adam Crabtree, From Mesmer to Freud: Magnetic Sleep and the Roots of Psychological Healing, Yale University Press, 1993.
- Henri F. Ellenberger, The Discovery of the Unconscious: The History and Evolution of Dynamic Psychiatry, Basic Books, 1970 (Kapitel über Mesmerismus und frühe Hypnose).
- Alan Gauld, A History of Hypnotism, Cambridge University Press, 1992.
- Bertrand Méheust, Somnambulisme et médiumnité (1784-1930), 2 Bde., Le Plessis-Robinson, Synthélabo, 1999.
- Nicole Edelman, Voyantes, guérisseuses et visionnaires en France 1785-1914, Paris, Albin Michel, 1995.
- Daniel Pick, Svengali's Web: The Alien Enchanter in Modern Culture, Yale University Press, 2000.
- Marco Paret, A History of Hypnotism (ISI-CNV), zur Einordnung des französisch-italienischen Magnetismus in die Linie Mesmer → Puységur → du Potet → Lafontaine → Donato → Caravelli → Di Pisa → Paret.