La Tabula Smaragdina (auf Deutsch Smaragdtafel) ist einer der grundlegenden Texte der europäischen hermetischen und alchemistischen Tradition. Von äußerst geringem Umfang – etwas mehr als ein Dutzend Sätze – wird sie pseudoepigraphisch Hermes Trismegistus zugeschrieben und dient seit der mittelalterlichen lateinischen Übersetzung als Kodtext der alchemistischen Lehre: In ihr hat die Tradition, Jahrhundert um Jahrhundert, die verdichtete Formel des Werkes gelesen. Ihr erster dokumentierter Beleg liegt in arabischer Sprache vor (Kitāb sirr al-ḫalīqa von Bālīnās, 8.–9. Jahrhundert); die lateinische Übersetzung zirkulierte ab dem 12. Jahrhundert und wurde in der Renaissance kanonisch.

Das Korrespondenzaxiom

Von der Tafel ist nur eine einzige Zeile überliefert, die als eigenständige Maxime die westliche Kultur durchzogen hat: «Quod est inferius est sicut quod est superius, et quod est superius est sicut quod est inferius»Was unten ist, ist wie das, was oben ist, und was oben ist, ist wie das, was unten ist. Die Formel begründet das Prinzip der Entsprechung zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos, zwischen Himmel und Erde, zwischen Innen und Außen, auf dem die gesamte hermetische Erkenntnistheorie und ein bedeutender Teil der europäischen magnetischen und alchemistischen Praxis beruht. Im Paret Method übersetzt sich dieses Prinzip operativ in die Entsprechung zwischen dem inneren Zustand des Faszinators und dem Zustand des Subjekts sowie zwischen der typologischen Struktur der Person und der Konfiguration ihres autonomen Systems.

Textstruktur

Die Tafel gliedert in wenigen Sätzen eine programmatische Abfolge:

  • Die Verkündung des Korrespondenzprinzips zwischen den Ebenen (oben / unten).
  • Der Verweis auf die Erzeugung eines einzigen Dinges durch Anpassung.
  • Die Beschreibung der Sonne als Vater, des Mondes als Mutter, des Windes als Träger, der Erde als Ernährerin.
  • Die operative Anweisung zur Trennung des Feinen vom Groben (separabis terram ab igne, subtile a spisso, suaviter cum magno ingenio).
  • Der Aufstieg zum Himmel und der Wiederabstieg, wobei die Kraft der oberen und unteren Dinge empfangen wird.
  • Die Verkündung der Macht über jedes feine Ding und das Durchdringen jedes festen Dinges.

Diese Abfolge wird in der operativen Tradition als die verdichtete Formel der vier Stufen des Werkes und als das Programm des inneren Werkes gelesen – die Arbeit der Trennung, Sublimierung und Wiederzusammensetzung, die der Paret Method in der Achse der alchemischen Präsenz erbt.

Überlieferung und Rezeption

Der Text wurde von Paracelsus, den Rosenkreuzern, Athanasius Kircher, Oswald Wirth und zahlreichen operativen Alchemisten kommentiert. Er ist die gemeinsame Grundreferenz aller Linien des westlichen Hermetismus und fungiert als Schwellentext zwischen der mediterranen, der arabischen und der europäischen Tradition.

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